Tasmania
Getreu dem Motto klein aber fein liegt der kleinste Bundesstaat Tasmanien vor der Südostküste Australiens im Indischen Ozean. Klein, aber doch wieder ganz groß, ist Tasmanien in einer anderen Kategorie ein anderes Superlativ: Von den zahlreichen Inseln, die sich rund um den australischen Kontinent vor den Küsten tummeln, ist Tasmanien mit einer Fläche von rund 62.000 m² die größte.
Die Insel gilt von Landwegen her als äußerst unzugänglich: Die Berge erreichen zwar sehr moderate Höhe von etwa 1600 Metern, dennoch ist zu vermuten, dass auf viele Flecken Tasmaniens bis heute noch nie ein Weißer seinen gesetzt hat.
Dennoch verfügt Tasmanien über einigen Reichtum, vor allem an historischen Zeugnissen. So entdeckte der niederländische Seefahrer Abel Tasman bereits im Jahre 1642 die Insel. Fälschlicherweise hielt Tasman die Insel für Festland und nannte sie “Van Diemen's Land“. Nach der Entdeckung des eigentlichen australisch Kontinents und dessen Kolonialisierung durch die britische Krone wurde Van Diemen's Land ab 1804 dauerhaft besiedelt: Englische Häftlinge wurden unter anderen auf die Insel verschifft. Zusammen mit sonstigen Siedlern wurde die Siedlung Hobart im Südosten von Van Diemen's Land gegründet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Van Diemen's Land zu einer der gefürchtesten Sträflingskolonien. Analog wurde wie überall auf dem australischen Kontinent mit den Aborignals ebenfalls keineswegs zimperlich umgegangen. Im Gegenteil: Man jagte sie wie Tiere. Wenige Jahre nach der Besiedlung durch die Weißen war der tasmanische Aboriginal ausgestorben.
Um den schlechten Ruf der Insel zu kaschieren, wurde sie nach Ende der Sträflingstransporte in “Tasmanien“ umbenannt. Die erste Siedlung Hobart ist heute Hauptstadt des Bundestaates, deren Stadtbild vor allem durch historische Häftlingsbauten geprägt ist. Der Großteil der georgianischen Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Zu besichtigen sind neben den Bauten unter anderem das Parliament House aus dem Jahre 1840, welches ursprünglich als Zollhaus seinen Dienst tun sollte, oder das ehemalige Kriminalgericht mit seiner Gefängniskapelle. In der Nachbarschaft befindet sich auch das “Theatre Royal“. Eröffnet im Jahre 1837, wirkt die Tatsache, dass sich das erste Theater auf der Insel der schweren Jungs befindet, wie ein ironischer Streich der Geschichte. Nicht so, wenn man die Geschichte in einem anderen Blickwinkel betrachtet: Einst ging fast der gesamte australische Schiffsverkehr über Tasmanien.
Auch zahlreiche Walfänger entschieden sich für Stützpunkte in Hobart. Daher konnte sich die einstige Siedlung rasch noble Bauten leisten, unterstützt von den Häftlingen als billige Arbeitskräften. Neben seinen Bauten sticht Hobart auch mit seinen Museen hervor: Neben dem Maritime Museum of Tasmania, behandeln auch die folgenden beiden interessante Themen: “Narryna Herritage Museum“ und die Doppelbesetzung “Tasmanian Museum and Art Gallery“. Letztere gilt als das bedeutendere, umfasst es doch zahlreiche Sammlungen über die Geschichte und Natur der Insel.
Unter anderem könnt ihr den bis zur Ausrottung gejagten legendären “tasmanischen Tiger“ wie er leibt und lebt beobachten: In einer rund 70 Jahre alten Filmaufnahme. “Tassi Nessi“ nennen die Australien das legendäre Raubtier. Allerdings handelte es sich nicht um einen Großkatze. Vielmehr ähnelte er einem Hund, auch wenn dieser Vergleich hinkt, denn “Tassi Nessi“ war ein Beuteltier. Von ihren Verwandten unterschieden sie sich vor allem durch ihre Fressgewohnheiten. Nicht Gräser oder Blätter standen auf der Speisekarte, sondern Fleisch. Den Namen erhielt der “Beutelwolf“ durch seine Streifen am hinteren Körperteil. Als die Europäer Schaffe auf die Insel brachten lieferten sie einladend leichte Beute. Weil aber der Großteil Tasmaniens unerschlossen ist, besteht immernoch einen winzige Chance, dass ein paar Exemplare die Vernichtungsfeldzüge überlebt haben.
Präventiv hat man diese Tiere unter Schutz gestellt. Für den Menschen selbst ist der tasmanische Tiger ungefährlich. Das bisher vermutlich letzte bekannte Tier starb im Jahre 1933 in Gefangenschaft. Von genau jenem Tier stammen die Filmaufnahmen im Museum. Das Narryna Herritage Museum veranschaulicht den Alltag der frühen Siedler auf der Insel. Auch dieses ist das Älteste seiner Art in Australien. Das soziale Leben könnt ihr heute vor allem am Salamanca Place bei der Landspitze “Battery Point“ pflegen.
In den ehemaligen Lagerhäusern Hobarts haben sich zahlreiche Restaurants, Gallerien sowie Geschäfte aller Art etabliert. Lasst die Zeit und Alltag gehen, genießt stattdessen ein gutes Tassi Bier mit neuen Freunden. Auch der Hausberg der Stadt gehört zu den Sehenwürdigkeiten der Stadt: Mount Wellington. Mit seinen 1210 bietet der Berge tolle Ausblicke über die Küstenregionen und Teile der Insel bis ihn andere Berge blockieren. Oder das Wolken.
Verlässt man die tasmanische Hauptstadt in Richtung Norden trefft ihr direkt auf die Städte New Norfolk und Richmond. Erstere lag ursprünglich noch viel weiter nördlich: Rund 1600 Kilometer vor Sydney wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Sträflingsinsel Norfolk aufgelöst. Zum Ausgleich erhielten die Siedler Norfolks stattdessen neue Landflächen auf Tasmanien. New Norfolk war gegründet. Der erfolgreiche Hopfenanbau verhalf New Norfolk zu raschem Wohlstand, und Tasmanien zu seinem Bier. Es liegt nahe, dass New Norfolk den Pub mit der ältesten Schanklizenz Australiens beherbergt. Von der Erfolgsgeschichte des Hopfen berichtet ein eigenes Museum, das im “Oast House“ beherbergt ist. Wer könnte die Geschichte denn besser waren? Bis 1969 wurde genau in diesem Haus angebauter Hopfen aus New Norfolk verarbeitet. Weiter östlich liegt Richmond, einst wichtige Garnisonsstadt und Zwischenstopp der Häftlingstransporte nach Port Arthur am Südostzipfel Tasmaniens. Die Sträflinge wurden hier für eine Nacht eingekerkert, um am darauf folgenden Tag in Ketten nach Port Arthur zu maschieren. Sehenswert sind unter anderen das Gerichtsgebäude sowie die Gefängnisse. Auch auf der Halbinsel Port Arthur warten heute diverse historische Zeugnisse auf ihre Besichtigung.
Im Westen Hobarts liegt der eigentliche Grund weshalb der Großteil der Besucher nach Tasmanien reist: Das riesige Gebiet der tasmanischen Nationalparks, dessen Fläche zum UNESCO- Weltkulturerbe gehören. Wer diese besuchen möchte, fünf an der Zahl, sollte sich jedoch auf Einschränkungen gefasst machen, denn das Gebiet ist nur in geringen Teilen zugänglich. Der Rest gehört zu den bislang nicht erforschten Unwegen des Landes. Einen enormen Anteil nimmt der Southwest National Park mit einer Fläche von etwa 44200h Hektar ein. Trotz seiner Größte fürh lediglich ein einziger Wanderweg durch die urige Wildnis.
Hier könnt ihr auf ein Yetiabenteuer der besonderen Art begeben: Es kehren immer wieder Besucher aus der Berg- und Urwaldlandschaft zurück, die felsenfest davon überzeugt sind, den Tasmanischen Tiger gesehen zu haben. Fantasie oder Realität? Versucht es herauszufinden.
Entflieht dem Großstadtdschungel eine Weile und begebt euch auf die Suche nach diesem Exemplar. Aber nur auf sicherer Distanz, bitte, und keiner Erkundungen außerhalb der markierten Wanderwege. Sehr real und auf der Insel auch verhältnismäßig leicht anzutreffen ist der Tasmanian Devil. Ebenfalls Beuteltier. Ebenfalls Fleischfresser. Seinen Namen hat der Tasmanian Devil seiner Eigenart zu verdanken, dass er jedermann satanisch anfaucht und sein scharfes Gebiss drohend fletscht.
Aber keine Sorge, trotz der Unwegsamkeit der Insel gibt es Gebiete, wie den Mount Field National Park, die gut erschlossen sind. Im Winter dient der Park unter anderem als Skigebiet. Der meist besuchte Nationalpark liegt im Nordwesten Tasmaniens und verläuft in Richtung Inselmitte: Der Cradle Moutain-Lake St.Clair spricht durch seine verschiedenen Wegstrecken ein breites Publikum an. Ob kurze Wege oder der romantische Overland Track, wer eine abwechslungsreiche Landschaft erleben möchte, der in diesem Park richtig. Der Overland Track führt vorbei an einer fast surreal erscheinenden alpinen Landschaft, vorbei an tintenblauen Seen und durch die Wälder der hochgebirgsfesten Schnee-Eukalyptusbäume. Damit niemand unter freiem Himmel schlafen muss, stehen für den mehrtägigen Marsch Übernachtungshütten und Zeltplätze zur Verfügung. Am nördlichen des beliebten Nationalparks fährt man direkt auf die tasmanische Stadt Devonport zu.
Wer das Flugzeug scheut und per Schiff in den Bundesstaat Tasmanien einreist, der geht genau hier in Devonport an Land. In dieser Stadt gibt es noch Felsritzungen der ausgerotteten Aboriginals zu sehen. Mit ihren 25.000 Einwohnern bildet Devonport die drittgrößte Stadt der Insel. Allen voran: Hobart mit über 250.000 Einwohnern, gefolgt von der Stadt Launceston etwa 100 Kilometer von Devonport entfernt. Mit einer Mischung aus Nostalgie und Themenpark wartet Launceston auf: Nahe des Zentrums drehen sich Windmühlen wie einst, eine alte Tram oder ein historisches Boot fahren Besucher spazieren.
Direkt daneben erwartet der South Esk River seine Gäste zum entspannen am Flussufer oder direkt zum Baden. Im Zentrum der Stadt stehen viele Häuser aus der viktorianischen Epoche, nicht verwunderlich, da Launceston im Jahre 1805 gegründet wurde und damit die drittälteste Stadt auf dem gesamten australischen Kontinent bildet. Zu den Prachtbauten gehören unter anderem die Town Hall oder das Macquarie House am Civic Square, welches heute unter anderem das“Queen Victoria Museum“ mit nutzt. Ihrer Naturvielfalt zum Trotz ist die tasmanische Insel Veranstaltungsort diverser Festivals.
Studiert ihr in Hobart, könnt ihr das berühmte “Sydney to Hobart Yacht Race“ live miterleben.

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